Warum kippt mein Putzmann alle ökonomischen Theorien?
Etwas Grundlegendes zur persönlichen Präsenz                29. März 2012

Vlisco.com - Collection 2010

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(Sie können dieses Thema als Vortrag von go.arts® buchen. Darin kann Vieles vertieft und begründet werden, was ich hier nur anreissen kann.
Selbstverständlich finden Sie diese Thematik in unseren Trainings integriert oder auch mal pur wieder.
Hier finden Sie auch Forschungsergebnisse von mir, an denen ich die Rechte trage.

Herzlichst, Ihr Werner Gorzalka)

Stichworte: Präsenz, Ökonomie und Mensch, Liebe, Leben, Partnerschaft, Afrika

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Haben Sie schon mal bemerkt, dass sämtliche ökonomischen Theorien der letzen 150 Jahre gescheitert sind? Ging neulich sogar durch die Medien. Wieder einmal.

Meine These: Gescheitert am Menschen. Beziehungsweise daran, dass der Mensch so schwer einzuschätzen ist. Er will sich einfach nicht in die Schemata der Arbeitgeber und der Pseudowissenschaften der Ökonomie einpassen.

Offensichtlich ist der Mensch dann nämlich nicht lebensfähig.

(Und Arbeitgeber sind offensichtlich immer noch nicht lernfähig. Dass es um Menschen geht und nicht um Laborratten. Das hat als Grosskonzern scheinbar allein die Firma Bosch begriffen, über die es neulich einen wunderbaren Dokumentationsbeitrag des SWR gab)

Ich war erstaunt, dass mein Putzmann unbedingt richtig saubermachen wollte. Ich verstehe mich gut mit ihm, und ich habe ihn deshalb sofort machen lassen, den Arbeitstisch in der Küche (den ich immer vollstelle) richtig saubermachen, damit es gut aussah.

Meine ehemalige Putzfrau war übrigens genau so drauf, sie wollte es bei mir so machen wie bei ihr, das Küchenbrett gleich mit Grundreinigung, Kühlschrank und Tiefkühltruhe dito etc etc.

Ich habe mich dabei übrigens analog verhalten, also nicht arbeitgeberkonform, sondern wir hatten eine gute Zeit miteinander und haben uns am Leben gefreut.

(Dass die PutzFRAU nicht mehr da ist, hängt leider mit ihrer russischen Säle („Seele“ natürlich) zusammen oder vielleicht damit, dass sie eine Frau ist, wer weiss. Sie bekam eines Tages tiefgründige Gedanken und kam einfach nicht mehr.)

Heute bin ich da durch gegangen, wo mein Putzmann arbeitete und dachte, dass er diese „Intensität“, wie man neumodisch sagt, doch gar nicht zu liefern braucht. (Früher hätte man Engagement gesagt.)
Entgegen sämtlichen ökonomischen Theorien macht er meine Küche zu seiner, auch wenn er „nur“ das Putzen bezahlt bekommt. (Ich gebe gerne Boni…)

Vor allem aber haben mir seine tolle Ausstrahlung und seine Energie beim Putzen den Anstoss gegeben, über die persönliche Präsenz nachzudenken, also über scheinbar ganz andere Aspekte nachzudenken als die, mit denen ich normalerweise in meinen Stimm- und Präsenztrainings zu tun habe.

Hier, bei meinem Putzmann, lag wohl irgend etwas, was wesentlich für die persönliche Präsenz zu sein schien und diesen gedanklichen Weg möchte ich mit Ihnen ein Stück weit gehen.

Ich habe es übrigens meistens ähnlich gemacht wie er. Die Sache, an der ich arbeitete, zu der meinigen gemacht. Entscheidend ist nämlich das Gefühl des Arbeitenden, wie er sich dabei fühlt, wie er damit zurechtkommt, nicht, wie die Arbeitsschritte aussehen, die der Arbeitgeber vorschreibt.

Letztendlich muss es auch dem Arbeitenden etwas bringen, sonst ist es für ihn schon unterbewusst nichts wert.

Die Arbeitsschritte, um zu einem Ergebnis zu gelangen, müssen wohl dem Menschen angepasst werden. Siehe die Modifikationen, die das Fliessband seit seiner Erfindung durch Ford in den letzten hundert Jahren durchlaufen hat, vom unmenschlichen galeerenartigen Taktgeber zur strukturierten, an den Menschen angepassten Arbeitskette.

Stimmt, leider wirklich nicht bei allen Arbeitgebern.

Bemerkenswerterweise ist dieses Vorgehen, das Motivieren, das Arbeiten mit dem ganzen Menschen effizienter als der rationale Ansatz.

Auf deutsch: Dieser Ansatz bringt mehr, für alle Seiten. Jedenfalls, wenn es sich nicht um einen Fabrikroboter handelt. Na ja, und bei den Robotern weiss man ja auch nicht, inwieweit die mittlerweile Persönlichkeit entwickeln…

Gut, weg mit dem Flachsen:
Motivation entscheidet, die Tatsache, ob ein Mensch sich für etwas einsetzen darf oder nicht, ob er das respektieren kann, was er tut oder nicht. Und damit, ob er sich respektiert fühlt oder nicht.

Und wenn es nicht respektvoll und partnerschaftlich mit dem Menschen geht, bleibt es nur noch der pure Kampf um das Geld. Der gerade ganz nebenbei unsere Erde zerstört, was gleichfalls unsere ganzen ökonomischen Theorien ad absurdum führt.
(Haben Sie es „schon“ bemerkt? Sowohl Land (fruchtbare Böden), Wasser (unsere Ozeane) als auch die Luft (Klima) sind in Gefahr, vollständig zerstört zu werden.)

Geld an sich ist eben nichts wert und entwertet dann auch noch den Menschen.

Für erhellend bei dieser bemerkenwerten Selbstdesavouierung der Ökonomie halte ich folgenden Artikel. Er wirft ein sehr deutliches Licht darauf, worum es an der Börse offensichtlich wirklich geht, jedenfalls bei den Insidern und den ganz Grossen, oder?

http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/0,2828,788285,00.html
„Studie vergleicht Händler mit Psychopathen“

Zitat:
„Warum verspielen einzelne Trader immer wieder Milliarden? Für eine Studie hat die Universität St. Gallen Aktienhändler und Psychopathen verglichen. Selbst die Experten waren vom Ergebnis überrascht. Sie bescheinigen den Börsenprofis einen immensen Hang zur Zerstörung.“

(Oder lesen Sie direkt http://orf.at/stories/2081072/)

Wofür bekommt also seit hundert Jahren jedes Jahr ein Mensch einen Nobelpreis für Ökonomie?

Ich weiss es nicht.

Die einzige für mich akzeptable Nobelpreisverleihung für ein ökonomisches Thema war 2006 die für die Mikrokredite (Bemerkenswerterweise als FRIEDENsnobelpreis. Was will uns das sagen…?)

Lesen Sie es nach: Es geht dabei um Menschen, um Partner. Wie zu Anfang des Sparkassenwesens im 19. Jhdt., also des Wesens auf Gegenseitigkeit. Zwischen Menschen, nicht zwischen Finanzkonzernen.

Höchst interessantes positives Beispiel die Firma Bosch, die weltweit 350.000 Mitarbeiter hat. Und sie alle gleich behandelt, ganz im Gegensatz zu praktisch allen anderen Konzernen.

Herr Bosch war auch derjenige, der schon in den zehner Jahren (des vergangenen Jahrhunderts!) meinte, dass ein Arbeitstag von mehr als acht Stunden die Arbeitskraft des Menschen zerstören würde. Dann dauerte es noch einmal fünfzig Jahre, bis diese weise Erkenntnis auch allgemein umgesetzt wurde. (Und jetzt wieder Rolle rückwärts.))

Knackpunkt bei Bosch ist folgender grundlegenden Ansatz für seine Firma und alle seine Projekte:

Er hat alle Mitarbeiter immer als Partner angesehen, und mit diesen Partnern ist er einen Vertrag eingegangen. Also den ganzen Menschen respektiert, wollte mit dem bei ihm arbeitenden Menschen gleichberechtigt zusammen leben.
(Noch einmal: Bosch ist mit diesem Konzept eine der grössten Firmen der Welt geworden und ist sehr erfolgreich!)

Da kam mir ein Spruch in den Kopf, den ich bei meinem ersten richtigen Aufenthalt in Afrika gehört habe.

Aber erst einmal: Vorsicht, wenn Sie eine Afrikareise machen, kann es sein, dass Sie aufgefressen werden!

Jedenfalls gerieten alle in meiner Umgebung in Panik, als ich mein Vorhaben umsetzen wollte und auf eigene Kappe zu der Frau in der Elfenbeinküste fuhr, bei der alle um mich herum Angst hatten, dass sie mich kaputt machen würde, dass man mich nach einer Woche aus der Gosse oder der Latrine ziehen würde, so, wie der Botschaftsangestellte es befürchtete. Und der war schon drei Jahre vor Ort, und ich kam das erste Mal.

Ich bin also dennoch zu dieser Frau gefahren, und es war alles normal, ein Appartement, in dem wir zwei Wochen verbrachten, ganz wie man es in Deutschland machen würde, wenn man jemanden besucht, um ihn kennenzulernen. Sie sah toll aus, war eine tolle Künstlerin, handelte mit Kleidern, war grosszügig, und ich versuchte ebenfalls, grosszügig zu sein.

Ich hatte mich vorher eben einfach mit dem Menschen befasst, und war deshalb sicher. (Also besser Vorsicht bei den undifferenzierten Angsthasen hier?)

Und nach irgend einem Tag mit ihr, der voller Schwierigkeiten war, wollte ich mich ein wenig für die Probleme entschuldigen, also bewerten, ich wollte einen Teil als positiv herausheben, einen anderen Teil des Tages verwerfen, so, wie wir das in Deutschland machen.

Aber da sagte diese sehr intelligente junge Frau: „Wir haben geweint, wir haben gelacht, wir sind zusammen gewesen und haben gelebt.“

Der passende Spruch aus Europa war mir nur kurz davor untergekommen:
„Das Wichtigste im Leben ist die Zeit, die wir zusammen (alternativ: mit anderen) verbringen“.

Ich bin in meinem Leben sehr viel alleine gewesen, weil ich eben speziell bin und mir die passende Partnerin nicht immer gleich in den Schoss fiel. Wider Erwarten gab und gibt es da für mich nicht viele.

Und als schlimmer als den Tod empfand ich immer die Einsamkeit. Wenn ich nicht mehr irgendwen oder irgendetwas lieben kann, und sei es ein Gänseblümchen, dann wollte ich nicht mehr leben. Genauso brauche ich es, geliebt zu werden.

Und das widerspricht allen ökonomischen Theorien.

Vlisco.com - Collection 2010

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Dass die Ökonomen unfähig sind, so einen Faktor wie die Liebe mit einzubeziehen, ist klar. Und deshalb scheitern sie, ausser dem Ökonomen mit den Mikrokrediten. Der hat den Menschen richtig mit einkalkuliert, wie Bosch.

Der mit den Mikrokrediten wusste, dass man nur auf den Menschen als Ganzes bauen kann, und dass das Leben für den Menschen das Wichtigste ist, nicht das Überleben.

Zwischengedanke: Das Wort „Leben“ ist dem Wort „Liebe“ verwandt.

Der Mensch kann also nicht leben, ohne zu lieben, was er macht.

Wenn Sie dieses Postulat für zu stark, zu einseitig, zu emotional, zu kindlich etc etc finden, dann setzen Sie dafür doch so ein Wort aus der Personalentwicklung wie „Motivation“ hin, wenn Sie damit besser leben können.
Aber das ist nur ein gecker modernistischer verbaler Deckmantel für die Essenz, von der wir alle leben.

Und die ist Voraussetzung für die persönliche Präsenz. Wenn Sie meine Wenigkeit fragen.

Damit bin ich wieder bei meinem Putzmann (der eigentlich einen anderen Beruf ausübt, bei dem das Arbeitsgerät und der Raum professionell gereinigt werden müssen. Also nutzt er diese Fähigkeit auch woanders. Genial für uns beide!)

Seine Qualität hat er also klar. Dafür geht man in die Lehre, dass man das beherrscht. Und das ermöglicht schon einmal Selbstliebe, wenn man etwas beherrscht.

Aber das sollte schon von den eigenen Veranlagungen ausgehen, das muss vom Menschen ausgehen und sollte nicht aufgezwungen werden. (Solch einem Lehrer, der einen auf diese Weise zur Selbstliebe führt, bleibt man sein Leben lang dankbar verbunden)

Sonst geht es nicht. Der Mensch ist der Massstab.

Und das, was seit Jahrzehnten auf dem „freien Markt“ abläuft, hat, wie man an der obigen Studie aus St. Gallen über die Börsenmakler sehen kann, allenfalls mit illegalen Hahnenkämpfen zu tun.

Und weiter:
Präsenz ist immer „ganzkörperlich“.

Wie Sie als intelligenter Leser vielleicht wahrgenommen haben, bin ich längst bei der persönlichen Präsenz.

Und ich bin in diesem Artikel hier erst einmal nicht den Weg gegangen, den Sie bei mir auf der Website finden, dass ich Ihnen erzähle, wie ich Ihre persönliche Präsenz über die Körperarbeit, die Stimme, das Sprechen, die Körpersprache etc etc aufbaue. Dazu komme ich später.

Weil es ganz andere, wesentliche Aspekte gibt, die in den Trainings zu wenig vorkommen, die aber die Grundlage bilden, damit überhaupt persönliche Präsenz zum Tragen kommen kann, Aspekte, die erst einmal menschlich wichtig sind.

Oder die direkt persönliche Präsenz sind, pur, mit aller Macht, die dem Menschen angeboren sind, unter den widrigsten Umständen den Menschen zum Ziel getragen haben und das weiterhin tun, jeden Tag. Präsenzelemente, die ebenfalls in Trainings nur schwer vorkommen können, wie z.B. Leben in der Sklaverei oder im KZ. Oder im Mittelalter unter der Knute der Kirche.

Wenn man aber nicht mehr bewertet, wenn man, wie oben erwähnt, sagt, „Wir haben geweint, wir haben gelacht, wir haben gelebt“, ist dann alles statisch? Findet eine Bewertung sprich eine Fortentwicklung nicht mehr statt?
Ist das ein Schritt zurück ins Mittelalter? Als es keine Zeit gab, keine Fortentwicklung, als alles statisch war?

Sehen Sie, die Antwort ist schon in der Frage versteckt: Wir denken eindimensional, schwarz und weiss. Wenn das eine da ist, geht das andere nicht.

Die Natur und das Universum sind aber anders. Sie sind vielfältig. Das Eine UND das andere gehen in der persönlichen Präsenz.

Ohne „ganzkörperliche Präsenz“, etwas künstlich ausgedrückt, könnte ein Schlagzeuger nicht mehrere unterschiedliche Rhythmen gleichzeitig spielen.
Gleiches lernt man übrigens bei wirklich gutem Stimm- oder Tanzunterricht, nämlich auf mehreren Ebenen präsent zu sein.

Als Beispiel der bekannte ganz einfache Ansatz: Beim Tanzen nicht auf die eigenen Füsse zu sehen, sich mit dem ganzen Körper „richtig“ und bewusst zu bewegen und wahrzunehmen.

Ausserdem lernt man sozusagen „fliegen“, denn eine Tanzschrittfolge oder eine Gesangsphrasenfolge kann man nicht unterbrechen.

Die persönliche Präsenz weiss, dass wir eigentlich gar nicht anhalten können, aber unsere Ratio spiegelt uns vor, dass wir das könnten. Dass wir uns einen beliebigen Ausschnitt beliebig genau, praktisch unter dem Mikroskop, ansehen könnten. Das ist nur begrenzt der Fall (wie schon Heisenberg mit seiner Unschärferelation auf einer anderen Ebene lehrte. Ja, Quantenphysik und normales Leben finde ich durchaus mal vergleichbar).

Der Normalfall ist aber nicht der, dass man irgendjemandem eine bestimmte Verhaltensweise (Gesangstechnik) antrainiert, sondern ganz umgekehrt der, dass man einen „Umbau im laufenden Betrieb“ hat.

Ziel jeder guten Kunst ist es sowieso, den Weg freizumachen für das „Fliegen“, also für das unangestrengte Funktionieren des eigenen Körpers und Geistes. Das Gegenteil dieses „Fliegens“ kann die Krankheit sein. Dann steht (fast) alles.

Die Kunst des Gesangslehrers (und auch JEDES ANDEREN LEHRERS, bei Gesang und Tanz haben wir im Vergleich zu z.B. Italienischlernen nur wesentlich höhere Intensität, aber sonst ist es gleich) ist, in diesem Umbau Klarheit zu schaffen und zu halten.

Zur Einfachheit hinzuführen, aus der Primitivität über das Komplizierte zum Einfachen (das eben gar nicht primitiv ist), das die Leichtigkeit und die Selbstverständlichkeit bringt.

Wenn jemand offensichtlich eine tolle Präsenz hat und dieser jemand vor einem steht, so scheint das statisch zu sein: Wir sagen, Er „hat“ sie. Das ist eigentlich falsch formuliert, denn es ist genau umgekehrt: Sie ist das sichtbare Zeichen für das starke Eigenleben dieses Menschen, für das Bewusstsein der eigenen Kompetenz, für die Leidenschaft, sie zu benutzen. Also für das Leben, für die Lebendigkeit.

Dieser, der präsente Mensch ist sehr lebendig, obwohl er sich offensichtlich gar nicht bewegt, „In sich ruht“. Aber wie die Atome und Moleküle nie ganz zur Ruhe kommen können, kann ein Körper und ein Mensch noch viel weniger ganz ruhig sein, denn dann wäre er tot.

Im Gegenteil die – scheinbar versteckte – hohe Lebendigkeit eines sehr präsenten Menschen fängt bei einzelnen Muskeln an und hört beim Geist, also bei den eigenen Fähigkeiten (Trainersprache: Kompetenzen, neudeutsch-denglisch: Skills) nicht auf!

Die „Ruhe“, die er ausstrahlt, ist Folge des Gegenteils, nämlich der hohen Bereitschaft, in der nächsten Sekunde etwas zu tun oder für uns da zu sein. Körperlich ist es die Bereitschaft zum Sprung, und deswegen ist eine schlechte Haltung eindeutiges Zeichen mangelnder (Sprung-) Bereitschaft!

Eine gute Präsenz in diesem Sinne, körperlich, seelisch und geistig erzeugt fast automatisch ein gutes Selbstbewusstsein.

Und die eigenen Fähigkeiten entfalten sich nur dann maximal, wenn man sie mit einem guten Selbstbewusstsein, also als akzeptierter Partner ausüben darf.

Das weiss, wie gesagt, die Firma Bosch: 350.000 Mitarbeiter weltweit. Sie macht mindestens Eines ganz anders als andere Konzerne: Sie behandelt, wie gesagt, alle Mitarbeiter gleich, egal, in welchem Land sie arbeiten.

Das kommt aus der Tradition des Konzerns und ist von Robert Bosch selbst etabliert worden. Aus meinem Gedächtnisprotokoll der Dokumentation des SWR vom 16. August 2011:

“    –   Er hielt nichts davon, als Firmenchef Almosen an seine Angestellten zu verteilen, sondern er hat sie als Vertragspartner gesehen, die er für gute Leistung auch gut bezahlte.
In der guten Bezahlung sah er ebenfalls einen Sinn.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Hier macht einer gleich mehrere Dinge grundlegend anders als die sonstige Industrie:
Er respektiert und akzeptiert den anderen. Ganz einfach.

Das sieht man auch aus Folgendem (wieder aus meinem Gedächtnisprotokoll zur SWR-Dokumentation):

„-   Bosch hat im Jahre 1906 den Achtstundentag eingeführt, weil er ihn für den effizientesten hielt und auch, weil er ihn am sinnvollsten für die Erhaltung der menschlichen Arbeitskraft ansah.

Einfach gesagt, wenn man diesen Aspekt der menschlichen Seele respeketieren würde, käme man besser zurecht. Man muss lieben können, was man macht, sonst stirbt man.

Dann wird offensichtlich möglich, dass (wieder aus meinem Gedächtnisprotokoll):

„Heute hat Bosch 350.000 Mitarbeiter in aller Welt, und diese werden interessanterweise alle gleich behandelt.
In China wächst Bosch jedes Jahr um 30 Prozent und ein Drittel der Chinesen kennt den Namen Bosch.

Welche Firma kann das von sich sagen?

Als in der Beratungsbranche Tätiger bin ich eher anderes gewohnt. Mehr dazu später, denn jetzt muss erst einmal die Frage geklärt werden, was das mit Präsenz zu tun hat:

Hier hat man es grundsätzlich mit dem Blick auf den ganzen Menschen zu tun. Herr Robert Bosch hat intuitiv das Richtige gemacht. Davon sind wir seit langem abgerückt, etwa seit der „konservativen“ Wende um 1980 herum.

Wenn ich mich dazu verleiten lasse, den andern selektiv wahrzunehmen, dann kann das nur daher kommen, dass ich zugelassen habe, mich selbst von anderen selektiv wahrnehmen zu lassen.
Oder ich bin sowieso längst mitten in der totalen Selbstausbeutung, nehme mich selbst nicht mehr richtig wahr und beachte nicht mehr die natürlichen Grenzen.

Den Zwang zum Englischen in den grossen Firmen sehe ich auch vielfach als einen Schritt der Entfremdung, den die „Neuen“ vollziehen müssen, um in das moderne Fürstentum aufgenommen und instrumentalisiert werden zu können. Damit wird man von seinen Wurzeln abgeschnitten.

(Selbst-)Ausbeutung sehe ich als nur das Versprechen auf Glück an. Den Weg zum Ziel zu machen, also sich und den anderen zu akzeptieren und zu entwickeln, sehe ich als das Glück an sich an. Und als das eigentliche Ziel der Evolution.

Dann kehrt Ruhe ein, die aber das Lebendigste ist, was man sich vorstellen kann, weil sie alle Potentiale berücksichtigen und freisetzen kann und nicht nur den von aussen ofiziell gewollten Teil der Persönlichkeit. Letzteres ist selbstverständliche Technik von Diktaturen.

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Persönliche Präsenz auf dem schwarzen Kontinent – und noch ein wunderbarer Satz

Ich persönlich konnte nie ohne ein Bild von dem, was ich als Glück, als Zuhause, als Kraftquelle, als richtiges Konzept vom Leben ansah, leben.

Das beantwortete auch meine Frage, warum ich so gut mit Afrikanern klarkam, mehr, warum sie mich magisch anzogen:

Vielleicht deswegen, weil ich so bin, dass ich schon als Sechsjähriger in der Sonne auf der Wiese sass und das so geniessen konnte, wie es war. Ich erinnere mich an die Gänseblümchen, die mir einfach gefielen und daran, dass ich so glücklich war.

Vlisco.com - Collection 2010

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Solche Bilder haben mir durch viele Tiefen des Lebens hindurch geholfen, und ich danke den Afrikanern, die mich darin bestärkt haben.

Menschen wollen sich gut fühlen, Menschen wollen sich begeistern, leidenschaftlich sein, lieben, was sie machen.

Afrikaner können das m.E. am besten. Sie haben es sogar in ihrer körperlichen Präsenz, was sie leicht, ja kindlich macht. Bewegungsfähigkeit macht leicht. Kinder sind schnell fröhlich, weil ihr Körper noch funktioniert.

Viele afrikanische Kulturen pflegen, ohne es zu wissen, einen hervorragenden Körperaufbau, der ihnen sehr leichte, anmutige, lebendige Bewegung ermöglicht, fast kindlich. Dadurch haben sie automatisch ein starkes Eigenleben, eine sehr gute Präsenz.

(Die langsamen Bewegungen beim Gehen nicht missverstehen: Sie sind wegen der grossen Hitze notwendig. Afrikaner sind deswegen in der Lage, zu Fuss in kurzer Zeit grosse Distanzen zu überbrücken. Jede schnelle Bewegung würde das unmöglich machen.
Wer je im Inland mehr als vierzig Grad erlebt hat, weiss, wovon ich rede)

Mental hat ihre ausgezeichnete körperliche Präsenz sie m.E. vom Europäer und Chinesen unterschieden.

Es sind Persönlichkeiten, immer ansprechbar, immer direkt, und man tut gut daran, ebenfalls präsent zu sein, also auch „wahrhaftig“ (neudeutsch: authentisch), sonst hat man bei ihnen keine Chance, akzeptiert zu werden.

Afrikaner sind nicht so leicht fernzusteuern. Sie sind nicht die Erfinder der römischen Schlachtordnung, der lebenden Panzer, gebildet aus total untergeordneten Männern und ihren Schilden, wie wir ihn aus „Asterix“ historisch korrekt kennen.

Sie sehen, fast automatisch sind mir die Worte „Präsenz“ und „Persönlichkeit“ untergekommen.

Vielleicht ist noch jemand anderem bei einem Aufenthalt in Afrika aufgefallen, dass sogar Kinder, im Gegensatz zu europäischen Kindern, stundenlang einfach sitzen und warten oder mit den Erwachsenen zusammen sein können, ohne Aufgeregtheit, ohne gross herumzutollen, aber aufmerksam und wach mit den anderen Anwesenden.

Sie haben die persönliche Präsenz längst gelernt.

Mit dieser starken persönlichen Präsenz, die schon ihr Körper aufweist, haben sie sich m.E. damit über Vieles hinweggeholfen, Hunger, Dürre, Hitze, Wassernot. Sogar in der Sklaverei hat das sicher eine sehr grosse Rolle gespielt und die Menschen seelisch stabilisiert.

Ihre Gesänge haben die Menschen zusätzlich noch in einen besseren Zustand gebracht, so das sie sich besser fühlten und die Arbeit in gewissem Sinn erträglich wurde.
Es fand eine Sinngebung statt, über die persönliche Präsenz, die schon im Körper angelegt war.

Unsere (Präsenz-) Kultur hat wichtige afrikanische Grundlagen

Und die „afrikanischen“ Einflüsse spielen eine grosse Rolle in unserer Musik, vom ersten Jazz vor hundert Jahren über den Blues bis zum Hiphop, aber im Prinzip in fast jedem Pop.

In Kalifornien hat sich eine klassische Tanztruppe (Ballett u.a.) gebildet, die in der Mehrzahl aus Farbigen besteht. Ich habe mir schon vor einer Weile von so etwas viel für die Bühnenpräsenz versprochen und wurde von dieser Compagnie nicht enttäuscht.

Afrikanische Wurzeln sind omnipräsent, in fast jeder Musikrichtung, in der Kunst und an zentralen Punkten in der Mode:

Afrikanische Grundlagen bestimmen die Höhepunkte der Mode der Dreissiger, wie man an den Begleitbildern in diesem Artikel sehen kann. Für mich ist sie die perfekte Mode überhaupt, und jede Retroströmung seitdem beginnt inhaltlich in den Zwanzigern (Jugendstil, ebenfalls afrikanische Grundlagen) oder in den Dreissigern (art déco).

(Die hier eingebetteten Bilder der Fima Vlisco stammen aus der wunderbaren Kollektion 2010, vielleicht die schönsten Modebilder, die ich kenne)

Dieses Bedürfnis nach Sinngebung und die daraus resultierende seelische Stabilität kann man im Extremfall mit der Situation in den Konzentrationslagern vergleichen, in denen es sogar Orchester gab, also Musik, also Leben, Eigenleben, Leidenschaft, Liebe, wieder persönliche Präsenz und Akzeptanz.

Man nennt es sachlich „Motivation“, aber da bleibt das Thema nicht stehen.
(Grundkraft des Lebens aus sich heraus, grossen Arbeitgebern nur schwer zu vermitteln)

Elvis Presley wollte eigentlich „nur“ Gospelsänger werden. Ich sage einmal etwas Provokantes: Meiner Meinung nach deshalb, weil die durorientierte, positive Aussstrahlung der Gospelmusik ihn, den Begabten und deswegen auch Labilen, stabilisiert hat. (Popmusik ist eher mollorientiert und trägt für mich noch andere Unterscheidungsmerkmale.

Dabei geht es mir sicher nicht um die Kirche, denn von dieser haben viele Afrikaner ein ganz anderes Verständnis als Religiöse und Nichtreligiöse hier in Europa denken.

Eine in meinem Leben wichtige afrikanische Person sagte einmal zu mir: „Die Religion ist für uns da.“ So etwas kann man nur sagen, wenn man ein sehr grosses, natürliches Selbstbewusstsein und erkannt hat, was im Leben wichtig ist.
(Hätte m.E. auch Jesus gesagt, wenn man ihn mal gefragt hätte)

Das war für mich im persönlichen Gegenüber die Erlösung, da ich die in unserer deutschen Gesellschaft immer noch vorhandene Fremdsteuerung der Persönlichkeit durch Religion ablehne.
Da habe ich diese Person auch vom Kopf her akzeptieren können. Es war eine Äusserung, die auf eine sehr weise Einstellung hinwies.

Meine Lieblingsmusikerin – nicht nur „-sängerin“, da ist sie sowieso gut – Nein, „-musikerin“ ist Aretha Franklin, und warum, hat auch mit dieser Präsenz zu tun.

Ich wünsche viel Freude mit Aretha Franklin. Sie hat Vieles mit meinem wunderbaren und sehr intelligenten Putzmann gemein.

(Ich bin gespannt, was er dazu sagt, was ich hier über ihn geschrieben habe.)

Ich wünsche mir so sehr, dass wieder der Mensch in den Mittelpunkt gerückt wird. Vieles in der Arbeit um die persönliche Präsenz deutet darauf hin, dass die Aufteilung ein Fehler war, erst die am Fliessband, und dann auch die versteckte, nur pseudo-„ganze“ Aufteilung im Feld der modernen Personalentwicklung.

Allerdings muss man sich dafür Methoden erschliessen, die zum grossen Teil nur die Künste beherrschen und da auch wirklich nicht jeder Lehrer.
Das Erschliessen dieser Techniken war ein grosser Teil der Arbeit von go.arts®. Zusammen mit einigem Verständnis aus der Wissenschaft konnte das eine runde Sache werden.

Vlisco.com - Collection 2010

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Zum Verständnis der Präsenz sind neue, „alte“ Sichtweisen wie die künstlerische Sichtweise notwendig, die sebstverständlich auch Regeln und der Systematik unterliegt. Wer sich wirklich damit befasst hat, weiss, welche Arbeit das ist. Und für die hatte ich fast immer die „Motivation“, weil ich spürte, dass die Ergebnisse für mich sehr wertvoll sein würden.

Näheres darüber vielleicht bald in einem zukünftigen Artikel oder direkt bei mir in einem Training oder in einem Vortrag, den Sie bei mir buchen können.

(Sie können dieses Thema als Vortrag von go.arts® buchen. Darin kann Vieles vertieft und begründet werden, was ich hier nur anreissen kann.
Selbstverständlich finden Sie diese Thematik in unseren Trainings integriert oder auch mal pur wieder.)

Herzlichst, Ihr Werner Gorzalka

Alle Rechte vorbehalten Werner Gorzalka ©2012

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