Aus unserer Reihe „Deutschwatch“:

Sehen Sie noch oder schauen Sie schon?

Seit einiger Zeit „schauen“ wir, anstatt zu sehen. Sogar die Tagesschau ist von diesem Sprachgebrauch eingenommen worden.

„Schauen“ ist unseres Erachtens nur an bestimmten Stellen stilistisch richtig. Durchgängig benutzt, wirkt es wie ein Abstieg ins Dialektale.

So manches überwuchert seit einiger Zeit aus dem süddeutschen Sprachraum das Hochdeutsche, weil es in der deutschen Sprache scheinbar am Gefühl fehlt.

Da ist es eine einfache Lösung, sich des Gefühligen zu bedienen und Anleihen beim Dialekt zu machen und sich nicht an der vorhandenen großen Ausdruckskraft des Hochdeutschen zu bedienen.

Das Gefühlige produziert dann aber stilistische Brüche, weil es nicht echt ist. Es ist nicht Gefühl, sondern eben nur „gefühlig“.

Die Lösung wäre, das Hochdeutsche stilistisch zu pflegen und es wieder richtig auszusprechen. Dann wirkt es, denn die deutsche (Hoch-)Sprache ist auch für die Ausdruckskraft ihrer Lyrik, Theaterstücke und Literatur weltberühmt.

Und da geht es in erster Linie um Gefühle.

Es gibt einen weiteren Grund: „Schauen“ ist scheinbar einfacher auszusprechen als „sehen“. Obwohl auch bei der Aussprache die dialektale Überwucherung eine Rolle spielt, steht hier vorrangig der Verfall der Stimme als Ursache vorne an.

Ein „Sch“ ist bei körperlich unterspannten Menschen leichter zu bewerkstelligen, als ein klares, stimmhaftes „S“. Diesem „S“ folgt in „Sehen“ dann auch noch ein „e“, das aus demselben Grund Probleme bereitet:

Der Körper der meisten Deutschen ist dafür nicht mehr genügend trainiert.

Und wenn er „trainiert“ ist, ist er er meistens falsch trainiert. Die Vielzahl der gängigen Trainings fördern keinen körperlichen Zusammenhang mehr, wie er zum Beispiel beim Tanz im Prinzip von selbst in Gang kommt – die beste Lösung.

Deshalb hat ein „e“ bei vielen Deutschen keinen ausdrucksvollen Klang mehr, ein „S“ ist nur unsicher machbar, und es kommt zum Ersatz durch einen gefühlsbezogenen, überladenen Ausdruck:

Dem „schauen“.

Landläufig auch als „Kitsch“ bezeichnet.

Für Fragen und Anregungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

http://www.go-arts.de

 

Alle Rechte vorbehalten ©Werner Gorzalka 2013

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