Die attraktive Stimme: Sex und Hochdeutsch. Und der Unterklang

Vergleichen Sie einmal diese beiden Tonaufnahmen von Daniela Katzenberger:

Tonaufnahme 1:
„11 8000“ Das Original
TV Spot Nr.1 Daniela Katzenberger TV Spot „118000 mit drei Stullen“

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Tonaufnahme 2:
Proben zu „11 8000“
Best of Daniela Katzenberger Outtakes Teil 1

Na, was sagen Sie?
Sex sells, und das geht auch über die Stimme.
In diesem Beispiel mehr als über das Optische, denn mich hat zuerst ihre Stimme umgehauen und dann erst ihr Aussehen.
Klar, ihre Sinnlichkeit!

Aber warum geht das dann nicht in dem zweiten Beispiel?
Oder hat Sie das zweite Beispiel angetörnt?
Mich jedenfalls fast gar nicht.

Und dafür gibt es einen Grund:
Hochdeutsch!
Und die Stimme! Oder besser: Der Gebrauch der Stimme.
Und damit sind wir beim Thema: Sex und Hochdeutsch!

Jedenfalls waren das Könner, die diesen Spot gemacht haben. Einer hat das Potential herausgehört, und dann haben sie so lange gearbeitet, bis das sass.
Und was da sass, darum geht es heute.

Vorweg noch eines:
Die Macher waren sogar so genau, dass sie die Tonhöhe sorgfältig gewählt haben.
In unserem zweiten Beispiel, der Aufnahme mit den Übungen, spielt sie direkt am Anfang mit dem Text herum, und dieser Versuch ist etwa einen Dreiviertelton höher als das „Original“. Und deshalb klingt das nicht.

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Aber es gibt auch andere Gründe, warum das erste Beispiel optimal klingt, welche ich jetzt in den Mittelpunkt stelle:

Zwei Thesen:
1. Hochdeutsch macht sexy.
2. Nur eine richtig aufgebaute Stimme lässt den Sex, die Sinnlichkeit, durch.

Und dazu setze ich noch:
3. Der so genannte „Unterklang“ steigert die Attraktivität.

Diese Thesen sollen im Folgenden geklärt werden.

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Die attraktive Stimme

Sie ist in jedem Fall auch erotisch, oder anders gesagt: Sie enthält die Anteile, die man dafür braucht, zum Beispiel gute Vokale und den so genannten Unterklang. (Gute Konsonanten gehören natürlich auch dazu. Das ist also noch nicht alles.)

Beispiele sind beispielsweise Senta Berger oder auch Sophia Loren, zwei grandes dames des Films. Beide haben den Unterklang und sind nicht nur in den Vokalen voll präsent. Ihre stimmliche Wirkung geht perfekt mit ihrer sonstigen Ausstrahlung einher.

Ein Beispiel, bei dem Sie es nicht denken würden: Heinz Rühmann (Ja, ich weiss, jetzt sind gleich gaaaanz viele enttäuscht.) Ja, der war sexy, hat das aber glänzend versteckt. Er hatte eine grosse Wirkung auf Frauen. Der, der so erfolgreich den „kleinen Mann“ spielte.

Und diese Wirkung nutzte er auch aus. Für seinen Erfolg, aber auch sonst, wie seine Frau leidvoll erfahren musste. Er konnte es verhindern, dass das in der Öffentlichkeit eine negative Wirkung entfaltete.
Ja, Sex sells! Ein gut Teil seines Erfolges beruhte darauf.

Aber das Rad kann man noch deutlich weiter drehen: Zu Adolf Hitler.
(Keine Angst, zu Marylin Monroe komme ich noch)

Was viele aus wirklich verständlichen Gründen nicht wissen wollen: Er war sowohl ein Charmeur als auch einer, der die Wirkung seiner Stimme perfekt einsetzen konnte – und zwar auch den erotischen Anteil.

Wenn Sie sich jetzt vollständig ausklinken wollen, sei zu Ihrer Beruhigung gesagt, dass es mir nicht darum geht, Hitler in irgendeiner Weise zu rehabilitieren. Sondern darum darzustellen, welche Mittel ihm für seine bösartige Wirkung zur Verfügung standen.

Hitler hatte grosse Wirkung auf Menschen und auf Frauen, er konnte die Menschen sehr schnell für sich einnehmen (ausser Churchill, den alten Fuchs…). Das war ihm angeboren, und, das dürfte auch bekannt sein, er hatte durch Übung vor dem Spiegel diese Wirkung massiv ausgebaut.

Er wusste sich auf dem diplomatischen Parkett zu bewegen und war auf seine Art sogar weltläufig. Er hatte eben das, was man Ausstrahlung nennt.
Und dazu gehörte auch seine Stimme.

Deren Wirkung hat er sehr bewusst eingesetzt, er wusste um die Macht diese Instruments und beherrschte viele Facetten. Ich halte ihn in diesem Bereich für wesentlich wirkungsvoller als Goebbels, weil er die Tiefe der Emotionalität ohne Hemmungen auslotete.
Goebbels war durch seine katholische Erziehung offensichtlich unterbewusst wohl doch daran gehindert, so weit zu gehen wie Hitler.

Und Hitler hatte „Schlag bei den Frauen“, wie man netterweise bei Rühmann gesagt hätte. Bei Hitler wagt man das nicht zu sagen, aber es war so, gerade bei den Massenveranstaltungen. Die Frauen hingen wirklich an seinen Lippen!

Viele Frauen wählen (oder wählten) gerne nach Aussehen. Dem hatte z.B. Helmut Schmidt einen Teil seines Wahlerfolgs zu verdanken.

Und eben auch Hitler, damals über das Radio. Und da zählt ausschliesslich die Stimme. Er kontrollierte mit ihr das Unterbewusstsein seiner Hörer.

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Eine Frage, die ich gerne stelle:
Wer war der bessere Schauspieler, Hitler oder Chaplin?
Ich denke natürlich an den Film „der grosse Diktator“ von und mit Charlie Chaplin.

Antwort:
Der bessere Komödiant war natürlich Chaplin, aber Hitler halte ich für den besseren Schauspieler. Er konnte in kürzester Zeit ein ganzes Volk auf seine Seite bringen. Was einiges mit seiner Stimme und den damit verbundenen Möglichkeiten – im Vergleich zum Stummfilm – zu tun hat.

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Aber verlassen wir die Tiefen der deutschen Geschichte und kommen wir zu ihren Höhen:

Ein wunderbares Beispiel für eine gut beherrschte Stimme ist, diesmal mit sehr schönen Konsequenzen, Hildegard Knef, genannt „die Knef“. Sie muss eine sehr gute Ausbildung gehabt haben (die klassische, die vor dem Krieg und nur bis in die fünfziger Jahre hinein üblich war) und war, was nicht viele wissen, eine international bekannte Bühnenkünstlerin, eine wunderbare Sängerin der leichten Muse.

Man muss sich nur die Aufnahmen auf Youtube aus den sechziger Jahren heraussuchen, um das nachvollziehen zu können.

Auch hier steht der Unterklang im Vordergrund sowie die bezüglich der stimmlichen Wirkung perfekt beherrschte Artikulation im Deutschen (die englische Aussprache hat sie wohl nicht so interessiert. Siehe

Das ist verschenkt. Ihre Stimme hätte es hergegeben).

Tut mir leid, Frau Makatsch, sie sind mir sympathisch, aber an Ihrer Stimme kann man die Verfallserscheinungen der deutschen Stimmen deutlich ablesen.

Sie sind leider nicht der einzige zeitgenössische deutsche Star, ob Sänger oder Schauspieler, dem es an professioneller Stimme gebricht. Zu gerne hätte ich Ihre Stimme aufgebaut, bevor Sie als Knef aufgetreten wären!

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Noch ein schönes Beispiel für die erotische Stimme an sich, mit dem man sagen kann:
Monroe meets Katzenberger!

Unvergessen das „Happy birthday Mr. President“ von, Marylin Monroe, deren Präsentation man fast schon anzüglich nennen konnte, aber eben grossartig und wirksam, ein unsterblicher und erstklassiger Auftritt einer weiteren grande dame.

Stimme macht eben viel mehr sexy, als man denkt.

Das kann man befragen: Wird man mehr durch die Stimme Marylin Monroes verführt wird oder durch ihren Körper, wenn sie „Happy Birthday Mr. President“ singt?

Vergleichen Sie selbst:
Hier das akustische Original, am besten verständlich

Zwei weitere Aufnahmen, mit Filmaufzeichnung, beide überaus sehens- und hörenswert

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Stimme ist im allgemeinen präsenter als das körperliche Aussehen, denn optischen Eindrücken kann man ausweichen, man braucht nur wegzusehen, aber Lärm dringt durch den ganzen Raum, sprich der Stimme kann man nur schlecht ausweichen.

Wie wichtig ist also Stimme? Bei mir ging das sehr weit:

Ich hatte mir in meiner Jugend angewöhnt, zuerst einmal unbedingt ihre Stimme zu hören, wenn ich einer interessanten Frau begegnete, und leider nicht so selten war die Enttäuschung groß.

„Wenn sie den Mund aufmacht, ist es vorbei“, wie wir damals sagten.
Besonders, wenn der Unterklang fehlte, konnte ich für mich rekonstruieren.

(Mir war damals noch nicht klar, dass ich von Natur aus besonders sensibel auf Stimmklang etc. reagiere. Meine Beruf(ung) habe ich erst anderthalb Jahrzehnte später gefunden)

Aber nicht nur im Deutschen, denn am schlimmsten tritt für mich der US-amerikanische Akzent auf. Oder besser Nichtakzent, denn die Stimmen der US-Amerikaner zerfallen oft fast vollständig. Dazu im Gegensatz steht die Hochsprache Oxford-Englisch, die balanciert ist, mit einer perfekten Artikulation.

Bei US-Amerikanisch und Oxford-English hat man den Gegensatz von Dialekt und Hochsprache. Die Hochsprachen sind balanciert und nutzen die Möglichkeiten der Stimme voll aus, was die Dialekte nicht können. Sie können der Stimmqualität sogar deutlichen Abbruch tun, wenn die Stimme nicht von vornherein stabil ist.

Da rettet auch Obama mit seiner verträglichen Artikulation nichts. Richtig elegant ist auch sie nicht, denn seine Artikulation kommt nicht so sehr aus dem Gefühl heraus, sondern ist auf Verständlichkeit getrimmt, also auf äusserliche technische Massstäbe.

Ich kenne vom Tanz her eine Frau, die sich durch US-amerikanische Männerstimmen sogar sexuell angezogen fühlt. Klar, der Unterklang ist von Fall zu Fall in roher Form präsent (die Stimmen sind eben nicht wirklich gebildet, weswegen sie sehr unterschiedlich ausfallen).

Na ja, die Rohheit dieser Stimmen (besser: dieser Nichtstimmen) passte einfach zu ihrem sonstigen schlechten Geschmack, nicht nur bei der Kleidung.

Oder wie finden Sie es, wenn Ihnen beim Salsa jemand mit einem Kaugummi im Mund gegenübersteht, die ausserdem mit ihrer Freundin gekommen ist und ihre Aufmerksamkeit sogar während des Tanzens dieser Freundin widmet?

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Zum Abschluss zurück zu unserem Einstieg:

Daniela Katzenberger ist in Wirklichkeit ein ganz großes Talent. Es war bestimmt nicht schwer, den Spot aus ihr herauszukitzeln, wenn man sie mal ernst genommen hatte. Diese Qualität ist bei ihr direkt unter der Oberfläche.

Klar würde ich ihr gerne zeigen, wie sie dieses Qualitätsniveau wahren kann, diese Stimme, mit der sie mich hinterrücks erwischt hatte!
Wie gesagt: Als ich sie das erste Mal im Fernsehen wahrnahm, habe ich sie GEHÖRT und noch nicht gesehen.
Und als das Gesicht dann sogar zur Stimme passte: Was will man mehr als Mann?

Das bringt mich zurück zum Thema. Natur ist alles. Natur, die versteckten, nicht direkt sichtbaren Linien im Körper muss man fördern.

Das tun die Französinnen. Sie tragen ihren Körper. (Kleidung soll in Frankreich den Körper betonen, nicht ersetzen)

Und im Körper sitzt die Stimme: Man muss „nur“ den richtigen Stimmaufbau beherrschen, dann kommen die Qualität und der Sex von selbst.*
Das wussten die alten Meister.

Beispiel: Carla Bruni als Sängerin. Obwohl ihre Stimme fast verschwindet, ist sie immer noch genug balanciert, nutzt den Unterklang und die Vorteile ihrer Hochsprache. Rein zufällig hat sie, passend zu den Wahlen, dann auch noch ein Kind bekommen. Honi soit qui mal y pense…

Kann es erotischer sein, egal, welcher Text? Wohl kaum.

Dazu muss man natürlich wissen, wie Stimme aufgebaut sein muss, wie man den Unterklang aufbaut und die Stimme dabei stabil bleibt. Wie man die Vorteile des der Hochsprache, des Hochdeutschen für die Stimme nutzt etc.

Dieses Wissen ist, was den Gesang betrifft, verschütt gegangen und beim Hochdeutschen droht es gerade abzukippen. *

Dagegen kann ich also setzen, ganz nutzenorientiert formuliert:
Hochsprache maximiert die Attraktivität.

Und Grundlage für die Attraktivität ist, wie immer, die erotische Ausstrahlung.

Oder kürzer: Sex sells!

Und das sagt Ihnen doch etwas, oder?

Mit meinen besten Grüssen und Wünschen für Ihre Sinnlichkeit

Ihr Werner Gorzalka

http://www.go-arts.de

* go.arts® hat sowohl das Hochdeutsche im Zusammenhang mit der Stimme im Griff als auch das ursprüngliche Belcanto zur Verfügung, das die Stimme richtig aufbaut. go.arts® führt auch eine Sammlung der seit längerem vemehrt auftretenden Verfallserscheinungen in der deutschen Sprache und im Sprechen und benennt die Ursachen und wie das zu beheben ist.

Alle Rechte vorbehalten ©2011 by Werner Gorzalka

Diesen Artikel können Sie als Vortrag buchen, der das Thema im Vergleich zum Blog noch deutlich vertieft.

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